Kryonik

Die Kryonik ist das Einfrieren lassen von Menschen oder von deren Gehirnen. Dies geschieht mit dem Ziel, den eingefrorenen Körper in Zukunft wieder zum Leben zu erwecken. Wer sich mittels Kryostase einfrieren lässt, hofft auf einen medizinischen Fortschritt gegen eine unheilbare Krankheit oder den Alterungsprozess. Sie kann daher als Krankentransport durch die Zeit in eine ferne Zukunft angesehen werden. Mit einer Kryokonservierung soll der Traum von einem längeren Leben näher rücken.

In diesem Artikel erklären wir dir, wie die Kryonik funktioniert. Außerdem geben wir dir einen Einblick zu den heutigen Problemen der Wissenschaft und ob das Einfrieren eines Körpers in Deutschland überhaupt erlaubt ist.

Wie funktioniert die Kryonik?

Das Einfrieren eines Körpers erfolgt durch Vitrifizierung. Dabei handelt es sich um ein sehr schnelles Abkühlen, welches die Kristallisation verhindert. Durch langsames Gefrieren von Wasser im Körper würden Eiskristalle entstehen. Die spitzen Kanten dieser würden einzelnen Zellen beschädigen oder zerstören. Aus diesem Grund wird bei der Kryonik das Verfahren der Vitrifizierung gewählt. Die Methode führt zu einem Verglasen des Körpers.

Die Vitrifizierung funktioniert nur im Zusammenspiel von schneller Abkühlung mit weiteren Zusätzen. Sogenannte Kryoprotektiva ersetzen bereits vor dem Abkühlen des Körpers die Körperflüssigkeiten des Menschen. Durch diese sind die Zellen geschützt. Damit ist kein Wasser mehr im Körper vorhanden und die Bildungen von Eiskristallen und Konzentrationen von Elektrolyten bleiben aus.

Der Körper ist nach der angewandten Technik in einem glasartigen Zustand. Er ist hart, fest und hat eine gelbliche Farbe. Die Zellen und das Gewebe behalten im Kälteschlaf die ursprüngliche Form und Struktur bei. Die sehr tiefen Temperaturen sorgen dafür, dass chemische Reaktionen verhindert werden. Dadurch kommt es zu keinem fortschreitenden Prozess der Verwesung.

Probleme der Wissenschaft

Die Technik der Kryonik ist heute noch nicht genügend ausgereift, um einen Menschen wieder aus der Kryostase aufwachen lassen zu können. Einer der Hauptprobleme sind Verfallsprozesse, die nach dem Eintritt des Todes sofort starten. Viele dieser können noch nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Weiter entstehen Schäden am Gewebe durch das Einfrieren und Wiederauftauen. Die Schwierigkeit besteht in den sehr unterschiedlichen Zellen vom Körper. Sie benötigen an sich verschiedene Einfrier- und Auftauvorgänge. Der Körper muss aber in seiner Gesamtheit gleichzeitig eingefroren oder aufgetaut werden.

Die Wissenschaft weiß auch noch nicht, wie sie das toxische Frostschutzmittel aus den einzelnen Zellen eines ganzen Körpers ohne Schäden entfernen kann.

Nicht zuletzt müssen ebenso die tödlichen Krankheiten, die ausschlaggebend für die Wahl auf die Kryonik waren, geheilt werden können. Für viele dieser gibt es heute keine sichere Heilungsmethode. Es muss also zunächst ein Heilmittel gefunden werden. Teilweise muss gar ein neuer Körper zur Verfügung stehen.

Erfolge der Wissenschaft

Bei einzelnen Organen sind das Einfrieren mittels Kryonik und das anschließende Wiederbeleben bereits erfolgreich geglückt. Ein großes Lebewesen auf diese Weise aber wieder zum Leben zu erwecken, ist bisher noch nicht gelungen.

Der größte verbuchte Erfolg, einen Menschen wiederzubeleben, erzielten Ärzte aus den USA. Sie haben einen Menschen aus dem künstlichen Scheintod und der geplanten Versetzung in eine zweistündige Kältestarre zurückholen können. Durch die Notfallkonservierung erhielten die Ärzte ein zweistündiges Zeitfenster um lebensrettende Operation durchführen zu können.

Die Hoffnung der Kryoniker auf regelmäßige Erfolge liegt in neuen Auftauverfahren, dem Klonen und fortschrittlicher Technik. Klone, wie es sie bereits in der Tierwelt gibt, könnten notwendige Organe und gar Körper zu Verfügung stellen. 3D-Druck und Nanotechnologie können die Wissenschaft zu neuen Heilungsmethoden verhelfen. Kleine Roboter könnten in Zukunft durch Alter, Krankheiten und Kryokonservierung beschädigte Zellen reparieren. Auch künstliche Intelligenz kann die Medizin weit fortschreiten lassen.

Ist das Einfrieren lassen von Menschen in Deutschland erlaubt?

Die Kryonik ist in Deutschland möglich. Allerdings herrscht in Deutschland eine Bestattungspflicht. Es müssen daher, ähnlich wie bei der Körperspende und Plastination, Individuelle Vorkehrungen getroffen werden. Doch auch wenn die Kryonik in Deutschland erlaubt ist, mangelt es an durchführenden Anbietern.

Cryonics Germany ist die erste Lagerstätte im Bereich Kryonik in Deutschland. Dort werden jedoch lediglich Gehirne aufbewahrt. Es sind gemäß deren Angaben derzeit weniger als zehn Stück gelagert. Bei der Lagerung seines Gehirns handelt es sich gesetzlich um eine Gewebespende.

Den ganzen Körper einfrieren zu lassen, ist in Deutschland zurzeit nicht möglich. Unternehmen, die dies anbieten, haben ihren Sitz im Ausland. So müssen die Leichen auf jeden Fall dorthin überführt werden. Es gibt aber in Deutschland Bestatter, die die kryonische Erstversorgung durchführen und für eine geeignete Überführung der Verstorbenen ins Ausland sorgen können.

Unternehmen weltweit

Zwei gemeinnützige Gesellschaften in den USA bieten die Kryonik an. Es sind die Alcor Life Extension Foundation, kurz Alcor, und das Cryonics Institute. Als gemeinnützige Institutionen dürfen diese beiden Anbieter keinen Profit erzielen und die Angestellten dürfen auch kein Einkommen haben, das als übermäßig bezeichnet werden kann. Dies tritt maßgeblich zur Seriösität und zur Sicherheit der beiden Institutionen bei. In den USA werden die meisten Menschen, die sich für die Kryonik entscheiden, gelagert.

Es gibt weltweit ebenfalls einen kommerziellen Anbieter für Kryonik. Dieser befindet sich in Russland.

Auch in der Schweiz ist eine größere Lagerstätte geplant. In der Schweiz genießt der Wunsch des Einzelnen, was nach dessen Tod mit dem Körper geschehen soll, einen hohen Stellenwert. Es gibt viel weniger Gesetze als in Deutschland, die die verschiedenen Arten der Bestattung einschränken. Für Interessierte aus Deutschland bietet sich die Nähe zum Nachbarland an.

Kryokonservierung Kosten

Bei Alcor kostet die Kryokonservierung und Aufbewahrung des Körpers mindestens 180.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Überführung. Pro Jahr fallen zusätzlich 170 Euro für die Aufbewahrung an.

Wer nur sein Gehirn einfrieren lassen möchte, sollte bei Alcor mit rund 70.000 Euro rechnen. Zu der Kryonik des Gehirns muss in ferner Zukunft jedoch auch ein geklonter Körper verfügbar stehen. In diesen soll das Gehirn dann eingepflanzt und zum Leben erweckt werden.

Bei Cryonics Germany ist die Aufbewahrung des Gehirns nahezu kostenfrei. Dabei handelt es sich aber, wie bereits erwähnt, um eine Gewebespende. Der Körper muss zusätzlich nach erlaubten Bestattungsarten beigesetzt oder beerdigt werden.

Weitere häufig gestellte Fragen

In Deutschland kennen rund die Hälfte aller Menschen die Kryonik. Jeder vierte könnte sich sogar das Einfrieren lassen vorstellen. Doch für viele ist die Konservierung ein noch völlig unbekanntes Themengebiet. Dementsprechend gibt es vermehrt Unsicherheiten und Fragen. Einige häufige Fragen zum Thema sind wir vertieft nachgegangen.

Was spricht für die Anwendung von Kryonik?

Es ist die Hoffnung, das Leben in der Zukunft fortsetzen zu können. Viele Personen, die sich für die Kryonik entschieden haben, sehen es als Chance an. Aufgrund von Alter oder Krankheiten ist ihr Tod sicher vorbestimmt. Durch das Versetzen in den Kälteschlaf besteht jedoch die Möglichkeit, dass sie noch einmal in das Leben zurückkehren können. In der Zukunft können medizinische Fortschritte ihr Leben verlängern. Sollte das Einfrieren und wieder Auftauen nicht klappen, ändert sich nichts an ihrem toten Zustand. Insofern sehen sie kein Risiko.

Teilweise entscheiden sich Menschen auch einfach aus Neugier für die Kryonik. Sie interessieren sich für die Zukunft und wollen wissen, was mit der Erde künftig geschieht.

Warum gibt es Menschen, die nur das Gehirn einfrieren lassen und nicht den ganzen Körper?

Die Menschen, die nur das Gehirn einfrieren und aufbewahren lassen, glauben, dass sich dort die Persönlichkeit befindet. Sie gehen davon aus, dass der Rest des Körpers ersetzbar ist. Aus diesem Grund soll nur das Gehirn konserviert und in die Zukunft überführt werden.

Gibt es weitere Anwendungsgebiete der Kryokonservierung?

Ja, es gibt weitere Anwendungen der Kryonik. Mit der Slow Freezing Methode können Keimzellen konserviert werden. Samenzellen oder befruchtete Eizellen werden mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingefroren. Im Gegensatz zur Vitrifizierung kommt es nicht zur rasanten Abkühlung der Zellen. Vielmehr erfolgt sie langsam und stufenweise bis an die tiefen Temperaturen.

Kann ich direkt in ein Institut gehen und mich in den Kälteschlaf versetzen lassen?

Nein, das ist nicht möglich. Auch wenn so der natürliche Verwesungsprozess verkürzt oder gänzlich gestoppt werden könnte, handelt es sich hierbei um ein Verbrechen. Kryoniker müssen nach heutigem Recht juristisch tot sein, bevor sie sich einfrieren lassen können. Wird die Technik in Deutschland an einer lebenden Person angewandt, ist dies Mord.

Es ist bekannt, dass Sauerstoffmangel bereits nach wenigen Minuten zu einer Schädigung des Hirns führt. Ist demzufolge das Gehirn nicht irreparabel geschädigt?

Nach wenigen Minuten Sauerstoffmangel beginnt im menschlichen Körper ein Vorgang, der zum Absterben von Nervenzellen führt. Heute lässt sich dies nicht aufhalten. Durch die Kryonik und die extremen Minus-Temperaturen kommt es aber zu einem Unterbruch dieses Prozesses. Zukünftige Techniken in der Medizin sollen etwaige geschädigte Zellen im Körper der Kryoniker wieder reparieren.

Wie wird es um die Kryonik in 50 Jahren stehen?

Den Fortschritt in der Medizin kann niemand vorhersagen. Kryoniker glauben, dass die Kryonik in der Zukunft normal ist und kein fremdes Themengebiet. Dank schnellen Entwicklungen in der Forschung ist es aber ebenso möglich, dass die Lebenserwartung von Menschen deutlich ansteigt. Durch zuverlässige Methoden der Heilung muss sich niemand mehr einfrieren lassen. In dem Fall brauchen Menschen keine Konservierung mehr.