Plastination

Unter einer Plastination ist das Konservieren eines ganzen Menschen oder nur dessen einzelnen Teile gemeint. Das daraus entstehende Ergebnis nennt sich Plastinat. Diese Plastinate werden in der Medizin zu Ausbildungszwecken verwendet, doch auch in Museen und auf Ausstellungen lassen sich konservierte Präparate finden. Es besteht eine steigende Nachfrage an Menschen, die ihren Körper spenden und auf Ausstellungen zeigen lassen wollen.

Plastinieren dauert lange und ist teuer. Deshalb werden häufig nur einzelne Organe präpariert. Gerade bei Ausstellungen werden aber auch vollständige konservierte Leichen gezeigt. An diesen können die Besucher die anatomischen Strukturen des Menschen besonders gut erkennen. Dadurch wird mit plastinierten Körpern wichtige Aufklärungsarbeit betrieben.

Die in Deutschland bekannteste Ausstellung von Plastinaten ist Körperwelten von Gunther von Hagens. Das von ihm verwendete Plastinationsverfahren hat er selbst entwickelt. Es ist auch an Tiere anwendbar.

In diesem Artikel erfährst du mehr über das Verfahren der Plastination, über die in Deutschland vorhandenen Ausstellungen und wie es möglich ist, Körperspender zu werden.

Plastinationsverfahren

Das Verfahren der Plastination ist schon länger bekannt. Es wurde durch Gunther von Hagens an der Universität Heidelberg erfunden. Der in Deutschland bekannteste Plastinator hat seine entwickelte Plastination ebenfalls patentieren lassen. Zuerst war nur das Plastinieren von einzelnen Körperteilen möglich. Durch das Weiterentwickeln der Technik konnten dann aber der ganze Körper konserviert werden. Das Innere eines Körpers ist seit dem nun in seiner Gesamtheit darstellbar. Eine weitere Besonderheit der neuen Plastinaten ist, dass sie geruchsfrei und trocken sind. Sie sind zudem für unbegrenzte Zeit haltbar.

Das Plastinationsverfahren besteht aus sechs einzelnen Schritten. Wie lange die einzelnen Schritte der Plastination dauern, hängt von der Größe des Präparats ab. Das Konservieren eines ganzen Körpers nimmt mehrere Monate in Anspruch. Gemäß der Ausstellung Körperwelten soll es ungefähr 1.500 Arbeitsstunden dauern, bis ein menschlicher Körpers plastiniert ist. In diesem Abschnitt erfährst du die einzelnen Schritte vom Ablauf der Plastination.

Schritt 1: Verwesungsprozess stoppen

Der Verstorbene muss schnellstmöglich gekühlt werden. Die Kühlung zögert den Prozess der Verwesung, der bereits sofort nach dem Eintritt des Todes beginnt, heraus. Wenn der Leichnam zum Plastinieren eingetroffen ist, muss der Plastinator den Verwesungsprozess durch chemikalische Vorgänge komplett stoppen. Dazu pumpt er eine Lösung aus Formalin in das Arteriensystem. Nur drei bis vier Stunden später hat die Lösung alle Bakterien abgetötet.

Schritt 2: Freilegen der anatomischen Strukturen

Im nächsten Schritt der Plastination entfernt der Plastinator das Bindegewebe, das die Organe, Sehnen, Muskeln, Nerven und Gefäße umgibt. Er legt damit die anatomische Struktur des Körpers frei. Dazu sind manuelles Geschick, Geduld und anatomische Kenntnisse nötig. Dieser Arbeitsschritt ist ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Er dauert bei einem ganzen Körper zwischen 500 und 1.000 Arbeitsstunden.

Schritt 3: Körper entwässern und entfetten

Der menschliche Körper besteht ungefähr zu 70 Prozent aus Körperwasser. Nach dem Freilegen der anatomischen Strukturen ersetzt ein Lösungsmittel, beispielsweise Azeton, dieses Körperwasser. Dieser Prozess erfolgt durch das Baden des Körpers in eiskaltem Lösungsmittel. Es löst das Körperwasser aus der Leiche heraus. Ist dieser Teil abgeschlossen erwärmen die Mitarbeitenden das Azeton auf Raumtemperatur. Bei dieser Temperatur entfernt das Azeton die löslichen Fette. Dieser Schritt der Plastination dauert insgesamt ungefähr drei bis vier Monate.

Schritt 4: Forciertes Imprägnieren des Körpers

Nun folgt der entscheidende Teil des Ablaufes der Plastination. Der Präparator tauscht das Lösungsmittel gegen Silikonkautschuk oder einen anderen Reaktionskunststoff aus. Dazu muss der Körper in einer mit flüssigem Kunststoff gefüllten Vakuumkammer. Das Vakuum bringt das Lösungsmittel zum Sieden und es wird zu Gas. Das gasförmige Azeton wird abgesaugt und durch den Unterdruck, der im Körper entstanden ist, dringt der Kunststoff in die Zellen ein. Dieser Vorgang dauert zwischen 2 und 5 Monate.

Schritt 5: Positionieren des Präparats

Das Plastinat ist nach dem Imprägnieren flexibel und kann bewegt und gestaltet werden. Der Plastinator bringt den Körper in die richtige Position und positioniert jedes Detail korrekt. Drähte, Klammern und weitere Hilfsmittel fixieren die Leiche in der Wunschposition. Um alles richtig anzuordnen, sind anatomische Kenntnisse notwendig. Bis das Präparat und alle Details richtig angeordnet sind, kann es Wochen oder sogar Monate dauern.

Schritt 6: Aushärtung

Wenn das Plastinat korrekt und wie gewünscht positioniert wurde, kann es gehärtet werden. Eine um das Präparat errichtete und luftdichte Kammer wird dazu mit Gas gefüllt. Das Gas sorgt für dafür, dass der Körper aushärtet. Werden andere Kunststoffe verwendet, erfolgt die Aushärtung mit Licht oder mit Wärme. Das ist der letzte Schritt im Plastinationsverfahren. Das konservierte Präparat ist damit haltbar und dauerhaft vor Verwesung geschützt. Der Ablauf der Plastination ist somit abgeschlossen.

Vor- und Nachteile der Plastination gegenüber anderen Verfahren

Weiter gibt es ebenso andere Verfahren der Leichenkonservierung. Bekannt ist zum Beispiel die Paraffinierung. Diese haben aber den Nachteil, dass die dort verwendeten Materialien leicht entzündlich sind. Auch ist die Haltbarkeit geringer als bei der Plastination.

Das Plastinieren ist wiederum ein kostspieliges Verfahren. Neben den Arbeitsstunden, die für das Präparieren notwendig sind, sind ebenfalls die verwendeten Kunststoffe und die benötigten Geräte teuer.

Ausstellungen

Plastinate werden bei Ausstellungen den Besuchern gezeigt. Damit wird wichtige Aufklärungsarbeit betrieben. Es gibt mehrere solcher Ausstellungen. Berühmt ist die Plastination durch Körperwelten vom Plastinator und Wissenschaftler Gunther von Hagens.

Körperwelten

Die Ausstellung Körperwelten tourt seit rund 25 Jahren um die Welt. In mehr als 140 Städten gastierte sie bisher. Über 50 Millionen Besucher haben die Ausstellung bereits besucht. Es gibt nur wenige Ausstellungen weltweit, die so erfolgreich sind.

Gunther von Hagens hat menschliche Körper in verschiedenen Positionen präpariert. Diese wurden in den Ausstellungen von Körperwelten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Plastination brachte den Besuchern die Anatomie und das Innenleben des Menschen näher. Den Fokus legte er dabei auf unterschiedliche Bereiche, wie dem Knochenbau, den Muskeln oder einzelnen Gefäßen.

Plastinarium

In einer ehemaligen Tuchmacherei in Guben zeigt die Ausstellung Plastinarium den Besuchern die Welt von Körperwelten und den einzelnen Schritten der Plastination. In dem öffentlichen Bereich finden Interessierte einen Einblick in die Anatomie von Menschen und auch von Tieren. Ein besonderes Highlight ist ein plastinierter Blauwal.

Zudem gibt es eine Lernwerkstatt für Schüler, Azubis und Studenten. In einem Selbststudium können sie ihr anatomisches Wissen an Plastinaten, Modellen, Tafeln, Computern und Fachbüchern vertiefen.

Auch Ärzte, Professoren, Heilberufler und medizinische Unternehmen können sich an extra für sie plastinierten Präparaten weiterbilden.

Körperspender werden

Wer Körperspender werden möchte, der muss bereits zu Lebzeiten eine Körperspendeerklärung abgeben. Nur so ist gewährleistet, dass der Leichnam der Wissenschaft überlassen werden kann. Angehörige können nach dem Tod keine Vereinbarung mehr zur Körperspende treffen.

Um seinen Körper für Ausstellungen präparieren zu lassen und ihn zum Beispiel bei Körperwelten präsentieren zu lassen, sollte zu Lebzeiten eine entsprechende Vorsorge getroffen werden. Das Formular Körperspende zur Plastination hilft dem geregelten Ablauf. Dieses bekommen Interessierte auf Anfrage per E-Mail. Mehr als 19.000 Menschen haben sich bereit erklärt, den Körper nach dem Tod dem Institut für Plastination für diesen Zweck zu überlassen.

Kosten entstehen dem Körperspender oder den Angehörigen kaum. Grund für einige Spender ist die Tatsache, dass die Kosten für eine Bestattung und für ein Grab entfallen. Auch ist keine Grabpflege nötig. Die einzigen anfallenden Kosten sind jene für das Ausstellen eines Totenscheins, der Sterbeurkunde sowie für die Kühlung des Leichnams bis er zum Institut überführt wird.

Kritik an der Plastination

Der Mensch strebt schon sehr lange danach, den Körper nach dem Tod zu konservieren. Während dies früher eher aus religiösen Gründen geschah, sind Leichen heute mehrheitlich zu wissenschaftlichen Zwecken konserviert. Das durch die Plastination entstehende Plastinat wird als Anschauungsobjekt genutzt. Es wird in der Medizin zu Ausbildungszwecken verwendet oder im Rahmen von Ausstellungen gezeigt.

Die Plastination wird jedoch auch häufig kritisiert. Kritikpunkt ist nicht alleine die Technik der Leichenkonservierung, sondern vor allem die Ausstellung von Plastinaten und das Zurschaustellen der Toten. Die Kritik ist religiöser, ästhetischer oder ethischer Art. Je größer die Ausstellungen sind und breites Publikum finden, desto mehr Beschwerden gibt es. Es wird kritisiert, dass es echte Menschen waren, die dort nach deren Tod konserviert und den Besuchern als Plastinat präsentiert werden.

Werden die konservierten Leichen oder Leichenteile im Rahmen medizinischer Ausbildung gezeigt, findet das kaum Beachtung.